Die Geschichte des bekannten Höhenwanderweges Rennsteig
Erstmals taucht die Bezeichnung Rennsteig 1330 in einer in Schmalkalden gefertigten Urkunde auf und bezeichnet dabei zwei Teilstücke des heutigen Rennsteigs: vom Ruhlaer Häuschen bis zum Jagdberg und vom Dreiherrenstein vor der Ebertswiese bis zum Nesselberg.

Zum ersten Mal wurde der Rennsteig in seiner Gesamtheit und heutigen Verlauf, von dem gothaischen Offizier und Topographen Julius von Pläncker, 1830 beschrieben, nachdem er die Strecke in 44 Stunden in 5 Tagesetappen begangen hatte.

Der Rennsteig war zu verschiedenen Zeiten Grenze sowie Verbindungsweg zwischen den Paßübergängen der alten Handelsstraßen zwischen den Handelszentren in Süd- und Norddeutschland. Verschiedenen Begriffe wie Ausspanne und Grenzadler deuten auf alte Paßübergänge hin.

Mittlerweile hat sich die Sprachforschung darauf geeinigt, daß Rennsteig die Bezeichnung für einen auf- und absteigenden Bergpfad sei, auf dem man schnell vorwärtskomme. Wege mit dem Namen Rennsteig gibt es in deutschen Lande über 200. Aber keiner von ihnen wurde so berühmt wie der Thüringer Rennsteig.

Er führt vorbei an mehreren hundert (ca. 1300) Grenzsteinen und 13 Dreiherrensteinen, die eine Vielzahl von ehemaligen Ländergrenzen bekunden. Der älteste stammt von 1513, die meisten der noch vorhandenen Steine aus dem 18. Jahrhundert. An den Steinen befindet sich die Jahreszahl des Steinsetzens sowie eine fortlaufende Nummer. An den Dreiherrensteinen stießen die Territorien dreier Länder aneinander.

Der Wanderweg Rennsteig wird seit ca. 100 Jahren mit einen weißen R auf blauen Grund, in der neueren Zeit auch mit einem blauen Andreaskreuz X gekennzeichnet. Das weiße R wurde auch als "Mareile" bezeichnet. Mareile war die Tochter eines Försters im Gast- und Forsthaus "Weidmannsheil", dem Gründungsort des Rennsteigvereins. Dieser wurde 1896 gegründet. Aber auch die Zeitschrift des Rennsteigvereins hieß Mareile.
 
 

Rennsteig - Chronik

Auf den 168 Kilometern des Rennsteigs bieten sich eine Fülle von Sehenswerten und Eindrücken: dichter Hochwald, markant aufragende Berge, steile Täler mit felsdurchsetzten Hängen, aussichtsreiche Hochflächen mit Ausblick auf Städte und Gemeinden, Burgen und Schlößer, Gipfel und Bergrücken.

Auch die volkstümliche Unterhaltungsmusik hat vor dem Rennsteig nicht haltgemacht. Herbert Roth aus Suhl ist dabei der bekannteste. Mit seinem Rennsteiglied, der heimlichen Hymne Thüringens, ist er heute noch in aller Munde.

Seit dem 28. April 1990 ist der Rennsteig wieder in seiner ganzen Länge begehbar und ist Teilstück des Bergwanderweges Eisenach-Budapest.

1843 schlug Ludwig Bechstein vor den Rennsteig in 5 Tagen zu erwandern. Heute wird der Rennsteig meistens in 6 Etappen aufgeteilt. Andere Etappenaufteilungen sind selbstverständlich möglich. Dabei sollte die Kondition, Übernachtungsmöglichkeiten, das Wetter und natürlich der Spaß am Wandern entscheidend sein.

 

Rennsteig - Chronik

9. Jahrhundert
Erste Hinweise auf die Existenz des Rennsteiges.

1124-1128
Der Bamberger Bischof Otto I. soll auf seinen zwei Misssionsreisen über den Rennsteig und durch Thüringen nach Pommern gezogen sein.

1330
Erster urkundlicher Beleg für den Rennsteig in einem in Schmalkalden ausgefertigten Kaufbrief als "Rynnestig".

1513
Mit dem Kurfürstenstein wird der älteste und bedeutendste Rennsteig-Wappenstein bei Steinbach am Wald gesetzt.

1530
Martin Luther überquert den Rennsteig, von Coburg kommend, um in Lehesten zu predigen und der sächsische Kurfürst Johann auf dem Weg zum Augsburger Reichstag.

1578
Erstmals ist die Bezeichnung Rennsteig nachweisbar.

1597
Ein Rennsteigbericht der Grafen von Schwarzburg bezeugt, daß bereits vor dem Dreißigjährigen Krieg die Vorstellung vom einheitlichen alten Höhenweg aus dem Hessischen über den Kamm des Thüringer Waldes und des Frankenwaldes bis nach Böhmen existiert.

1666
Vermessungen des Rennsteiges durch den Oberförster Martin Nees auf Veranlassung von Ernst dem Frommen von Gotha, der den Höhenweg zu militärischen Zwecken nutzbar macht.

1703
Erste Gesamtbeschreibung des Rennsteigs durch den hennebergischen Historiographen Christian Juncker.

1806
Napoleonische Truppen ziehen über den Rennsteig zur kriegsentscheidenden Doppelschlacht von Jena und Auerstedt.

1830
Erste informative Rennsteigwanderung von Blankenstein an der Saale bis Hörschel an der Werra durch den Topographen Julius von Plänkner, dessen Erlebnisbericht das wissenschaftliche Fundament zu den von August Trinius eingeleiteten Forschungen über den Rennsteig des Thüringer Waldes legte und Viktor von Scheffel sowie Gustav Freytag zu ihren literarischen Rennsteig-Huldigungen animiert haben dürfte.

1850
Errichtung eines Obelisken am Rennsteig bei Steinbach am Wald, der die Funktion des Rennsteigs als Wasserscheide zwischen Elbe und Rhein veranschaulicht.

1889
Der Heimatforscher August Trinius erwandert den Rennsteig. Sein bekanntes Wanderbuch "Der Rennsteig", welches zum Bewandern und Erforschen des Rennsteigs anregt, erscheint 1 Jahr später.

1892
Der spätere Gründungsvorsitzende Dr. Ludwig Hertel aus Hildburghausen initiiert die Gründung des Rennsteigvereines mit der Zweckbestimmung, den 168,3 km langen und einzigartigen historischen Höhenweg zu erschließen, zu erforschen und zu betreuen.

1896
Im Forsthaus Weidmannsheil bei Steinbach am Wald erfolgt am  24. Mai die Gründungssitzung des Rennsteigvereins. Hauptanliegen ist die Erkundung und Erforschung der im deutschen Sprachraum vorhandenen Rennsteige und Rennwege (bis heute sind davon ca. 220 bekannt).

1900
Einführung des Rennsteiggrußes "Gut Runst!". Was soviel bedeutet wie: "Gute Rennsteigwanderung!".

1906
Erste Erwanderung des Rennsteiges auf Skiern.

um 1950
Nachkriegs-Neubeginn beim Rennsteigverein. Es finden wieder alljährliche Veranstaltungen der historischen Pfingstrunst statt.

1951
Erstmals erklingt das Rennsteiglied von Herbert Roth und Karl Müller in Suhl.

1990
Nach Öffnung der innerdeutschen Grenze ist der Rennsteig seit dem 28. April wieder in seiner ganzen Länge begehbar.

2000
Eröffnung des Rennsteigradwanderweges am 19. Juni. Mit einer Gesamtlänge von ca. 195 km übertrifft er den Rennsteigwanderweg um ca. 30 km.

2002
Am 02. August beginnt die Neuvermessung des klassischen Rennsteiges und Neukatalogisierung aller Grenzsteine und markannten Punkte am Rennsteig.

2003
Nach Abschluss der Neuvermessung ergab sich eine neue Gesamtlänge von 169 km, 293 m und 77 cm, das sind 993 m, 77 cm länger als bisher aufgeführt. Aber aus historischen Gründen soll es bei der alten Massangabe von 168,3 km bleiben.